Welche Hamster kann man zu zweit halten – und wann ist Einzelhaltung die bessere Wahl?
Goldhamster immer allein – aber welche Hamsterarten lassen sich zu zweit halten? Alle Fakten zu Zwerghamster-Paarhaltung, Risiken und was Tierschutzexperten empfehlen.
Die kurze Antwort: Goldhamster sowie Chinesische Streifenhamster müssen grundsätzlich allein gehalten werden. Bei einigen Zwerghamsterarten – insbesondere Campbell-Zwerghamster und Roborowski – ist eine Paarhaltung unter bestimmten Voraussetzungen möglich, aber keineswegs garantiert erfolgreich. Dsungarische Zwerghamster gelten trotz gelegentlicher Familienverbände in der Natur in der Heimtierhaltung als schwer vergesellschaftbar. Für Anfänger empfehlen erfahrene Halter und Tierschutzorganisationen in aller Regel die Einzelhaltung – sie ist sicherer und schützt die Tiere vor Stress und ernsthaften Verletzungen.
Warum Hamster überhaupt zur Einzelhaltung neigen
Hamster sind in ihrer natürlichen Umgebung ausgeprägte Reviertiere. In den Steppen und Halbwüsten Zentralasiens beansprucht jedes Tier ein eigenes Territorium, das es gegen Eindringlinge konsequent verteidigt – selbst gegen Artgenossen. Nur in der kurzen Paarungszeit dulden Hamster überhaupt einen anderen Hamster in der Nähe. In der Gefangenschaft hat ein unterlegenes Tier jedoch keine Möglichkeit, zu fliehen, wie es in der Natur möglich wäre. Die Folge sind anhaltender Stress, Revierkämpfe und im schlimmsten Fall tödliche Verletzungen.
Dieses grundlegende Verhalten gilt für alle Hamsterarten, unterscheidet sich aber in seiner Intensität. Der Schweizer Tierschutz fasst es treffend zusammen: Die drei Phodopus-Zwerghamsterarten leben in der Natur zumindest phasenweise in Familienverbänden zusammen, während der Goldhamster ein strikter Einzelgänger ist. Dennoch ist es nicht einfach, eine optimale, tiergerechte Zwerghamster-Zusammensetzung für Heimtierhalter zu empfehlen.
Goldhamster und Chinesischer Streifenhamster: Strikt einzeln halten
Goldhamster (Syrische Mittelhamster) dürfen unter keinen Umständen mit Artgenossen in einem Gehege gehalten werden. Das ist unter Tierschutzexperten eindeutiger Konsens. Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt die Einzelhaltung von Goldhamstern ausdrücklich. Selbst Geschwister vertragen sich nach der Geschlechtsreife nicht mehr: Rivalen um Futter, Bau und Paarungspartner, vertreiben sie Konkurrenten mit ernsthaften Bissen. In der Heimtierhaltung, wo kein Ausweichen möglich ist, enden solche Auseinandersetzungen fast immer tödlich, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird. Auch ein Männchen-Weibchen-Paar ist keine Lösung: Unmittelbar nach der Paarung wird der Partner wieder verjagt.
Der Chinesische Streifenhamster gehört zwar zu den Zwerghamstern, ist in der Natur jedoch ebenfalls ein klarer Einzelgänger – Männchen beteiligen sich nicht an der Brutpflege und werden von den Weibchen nach der Paarung vertrieben. Die Hamsterhilfe NRW beschreibt, dass sich Streitigkeiten bei Streifenhamstern zwar etwas langsamer entwickeln als bei anderen Zwerghamstern, Einzelhaltung aber dennoch die richtige Wahl ist. Auch Tierschutz Austria hält fest: Einzelhaltung ist für Gold- und Teddyhamster vorgeschrieben und auch bei Zwerghamstern generell zu empfehlen.
Zwerghamster-Arten im Vergleich: Wer kommt zu zweit am besten zurecht?
Unter den Phodopus-Zwerghamstern gibt es artbedingte Unterschiede in der sozialen Toleranz. Die folgende Übersicht fasst den aktuellen Forschungs- und Erfahrungsstand zusammen:
| Art | Sozialverhalten (Natur) | Paarhaltung zuhause | Risiko |
|---|---|---|---|
| Goldhamster | Strikt solitär | Nicht möglich | Sehr hoch – tödliche Kämpfe |
| Chinesischer Streifenhamster | Solitär | Nicht empfohlen | Hoch |
| Dsungarischer Zwerghamster | Teilweise Familienverband | Schwierig, nur kastriertes Paar | Hoch |
| Roborowski-Zwerghamster | Selten paarweise beobachtet | Möglich, aber wählerisch | Mittel bis hoch |
| Campbell-Zwerghamster | Familienverband bekannt | Am ehesten möglich | Mittel – nie sicher |
Soziale Verträglichkeit in der Heimtierhaltung im Vergleich
Campbell-Zwerghamster: Die sozialste Zwerghamsterart – mit Einschränkungen
Der Campbell-Zwerghamster gilt in Deutschland als die am ehesten sozialverträgliche Zwerghamsterart. In der Natur leben Campbell-Männchen und -Weibchen phasenweise zusammen und beteiligen sich – anders als viele andere Hamsterarten – aktiv an der Jungenaufzucht. Nach aktuellem Erkenntnisstand gilt ein Campbell-Weibchen mit einem kastrierten Männchen derselben Art als die harmonischste und stabilste Konstellation: Die Tiere bauen gemeinsam Nester, suchen gemeinsam Futter und teilen es großzügig. Gleichgeschlechtliche Gruppen aus Männchen vertragen sich in der Regel besser als reine Weibchengruppen. Dennoch gilt: Auch diese Konstellation kann jederzeit kippen. Kämpfe kündigen sich oft nicht an, und wenn sie eskalieren, können sie für das unterlegene Tier lebensbedrohlich werden.
Wichtig zu wissen: Campbell werden in manchen Zuchtlinien bewusst auf erhöhte Sozialverträglichkeit selektiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sozialverträglichkeit eine natürliche, unveränderliche Eigenschaft der Art ist – sie wurde züchterisch beeinflusst und variiert von Tier zu Tier. Wer Campbell-Zwerghamster zu zweit halten möchte, sollte die Tiere von einem erfahrenen Züchter beziehen, der auf soziale Linien achtet. Die 1. Deutsche Hamstervereinigung weist darauf hin, dass Gruppenhaltung nur mit artreinen, sozialverträglichen Tieren versucht werden sollte und viele Faktoren berücksichtigt werden müssen – sie ist ausdrücklich nur für sehr erfahrene Hamsterhalter geeignet.
Roborowski-Zwerghamster: Möglich, aber wählerisch
Der Roborowski ist die kleinste und schnellste Zwerghamsterart – und beim Thema Vergesellschaftung sehr wählerisch. In der Natur wurde er gelegentlich paarweise beobachtet, lebt aber überwiegend allein. In der Heimtierhaltung ist es schwierig bis unmöglich, einen Partner zu finden, mit dem ein Roborowski dauerhaft harmonisch zusammenlebt. Berichte aus der Praxis beschreiben häufig, dass ein Tier früher oder später unterdrückt wird oder nicht mehr ausreichend Futter bekommt. Ein weiteres Problem: Roborowskis kämpfen oft lautlos und blitzschnell, sodass Eingriffe kaum möglich sind. Halter berichten von scheinbar perfekt harmonierenden Paaren, die ohne jede Vorwarnung eskalieren. Wer Roborowskis zu zweit hält, braucht ein jederzeit verfügbares Notfallgehege und sehr viel Erfahrung im Lesen von Hamsterverhalten.
Dsungarischer Zwerghamster: Trotz Familienverbänden in der Natur eher einzeln halten
Beim Dsungarischen Zwerghamster herrscht unter Experten keine Einigkeit. Einerseits leben Dsungaren in der Natur gelegentlich im Familienverband – Elterntiere ziehen gemeinsam Junge auf und legen gemeinsame Futtervorräte an. Andererseits zeigen Freilanddaten, dass die Baue in der Regel einzeln bewohnt werden. In der Heimtierhaltung ist die Vergesellschaftung besonders risikoreich: Dsungarische Zwerghamster beißen sich gerne, auch wenn sie zunächst scheinbar harmonisch zusammenleben. Unkastrierte gemischtgeschlechtliche Paare sind außerdem nicht empfehlenswert, da Zwerghamster eine der kürzesten Tragzeiten unter Säugetieren haben und die Vermehrung schnell unkontrollierbar wird. Wenn überhaupt, empfiehlt sich bei Dsungaren ein kastriertes gemischtgeschlechtliches Paar – aber auch das bleibt eine Ausnahme, die Erfahrung und ein ausreichend großes Gehege voraussetzt.
Was du beim Versuch einer Paarhaltung unbedingt beachten musst
Wer sich nach sorgfältiger Überlegung entscheidet, zwei Zwerghamster gemeinsam zu halten, sollte folgende Punkte konsequent umsetzen:
- Notfallgehege bereitstellen: Ein vollständig eingerichtetes zweites Gehege muss immer verfügbar sein. Wenn es zu Kämpfen kommt, müssen die Tiere sofort und dauerhaft getrennt werden – ein zweiter Versuch verschlimmert die Situation fast immer.
- Ausreichend Platz: Das Gehege muss groß genug sein, damit jedes Tier sich aus dem Weg gehen kann. Eine Grundfläche von mindestens 0,5 m² ist das absolute Minimum; 1 m² ist deutlich besser. Vier Pfoten Austria empfiehlt sogar mindestens 2 m² pro Tier.
- Mehrere Verstecke und separate Ressourcen: Jedes Tier braucht seinen eigenen Unterschlupf, sein eigenes Laufrad und separate Futterplätze. Konkurrenzsituationen um Ressourcen lösen Aggressionen aus.
- Tiere aus demselben Wurf vom Züchter: Der Erfolg ist am wahrscheinlichsten, wenn Geschwister schon früh zusammenaufgewachsen sind und einen gemeinsamen Gruppengeruch haben.
- Täglich aufmerksam beobachten: Zeichen von Stress, Unterdrückung (ein Tier frisst weniger, verlässt das Nest nicht, hat kahle Stellen) oder offene Kämpfe erfordern sofortiges Handeln.
- Kein zweiter Versuch nach Trennung: Wurden zwei Hamster einmal getrennt, dürfen sie nicht wieder zusammengesetzt werden – die Aggressionen steigern sich fast immer erheblich.
Warum Einzelhaltung keine Tierquälerei ist
Viele Halter befürchten, ihr Hamster könnte sich einsam fühlen. Diese Sorge ist menschlich verständlich, entspricht aber nicht der Biologie des Hamsters. Hamster vermissen keine Artgenossen – im Gegenteil: Ein fremder Hamster in der Nähe bedeutet für sie zunächst Konkurrenz und Gefahr. Studien zeigen, dass selbst Zwerghamster, die in separaten Gehegen im selben Raum gehalten werden, durch den Geruch und die Laute des anderen Tieres Stress entwickeln können. Ein gut strukturiertes, ausreichend großes Gehege mit vielfältiger Beschäftigung, regelmäßigem Freilauf und einer vertrauensvollen Beziehung zum Menschen ist für jeden Hamster weit wertvoller als ein Artgenosse, den er eigentlich als Eindringling wahrnimmt. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz hält fest: Hamster leben in der Natur als Einzelgänger und sollten dementsprechend auch allein gehalten werden.
Quellen
- Deutscher Tierschutzbund: Broschüre zur Haltung von Goldhamstern
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT): Merkblätter zur Hamsterhaltung
- Schweizer Tierschutz STS: Merkblatt Heimtiere – Zwerghamster (2024)
- Thieme Tiermedizin: Goldhamster & Zwerghamster – Neue Erkenntnisse zur artgerechten Haltung (2025)
- VIER PFOTEN Österreich: Der Hamster als Heimtier
- Tierschutz Austria: Artgerechte Hamsterhaltung (Stand April 2026)
- 1. Deutsche Hamstervereinigung: Campbell-Zwerghamster
- Hamsterhilfe NRW e.V.: Chinesischer Streifenhamster
- Heimtierpraxis Berlin: Haltung von Hamstern
FAQs
Können Geschwister-Hamster dauerhaft zusammen wohnen?
Diese Frage beschäftigt viele Halter, die ihre Tiere vom Züchter kaufen und sehen, wie die Geschwister dort scheinbar friedlich zusammenleben. Dass Wurfgeschwister sich anfangs gut vertragen, ist jedoch kein verlässlicher Indikator für langfristige Verträglichkeit – sondern in erster Linie darauf zurückzuführen, dass junge Hamster noch nicht vollständig geschlechtsreif und damit noch nicht vollständig territorial veranlagt sind.
Mit einsetzender Geschlechtsreife – beim Dsungarischen Zwerghamster bereits ab etwa 4 bis 5 Wochen, beim Campbell ebenfalls früh – beginnen die Tiere, ihr Revier zu markieren und gegen Artgenossen zu verteidigen. Dieser Instinkt lässt sich nicht durch gemeinsames Aufwachsen dauerhaft unterdrücken. Häufig berichten Halter, dass ein Paar Monate oder sogar über ein Jahr problemlos zusammengelebt hat und dann plötzlich – ohne erkennbaren Anlass – ein Tier das andere schwer gebissen hat. Solche Eskalationen können buchstäblich über Nacht passieren und sind dann kaum noch rechtzeitig zu verhindern.
Bei Goldhamster-Geschwistern ist die Situation eindeutig: Schon im Zoohandel werden junge Tiere gemeinsam gehalten, weil sie noch nicht aggressiv sind. Sobald sie das Alter von etwa sechs bis acht Wochen erreichen, kommt es aber fast unweigerlich zu Revierkämpfen. Goldhamster-Geschwister müssen daher spätestens ab diesem Zeitpunkt dauerhaft getrennt untergebracht werden.
Zwerghamster-Geschwister – besonders Campbell – haben etwas bessere Chancen, langfristig zusammenzuleben, wenn sie von Anfang an gemeinsam aufgewachsen sind und ein gemeinsames Duftprofil entwickelt haben. Aber auch hier gilt: Der Halter muss täglich aufmerksam beobachten, ob ein Tier weniger frisst, Bisswunden hat, aus dem Schlafbereich verdrängt wird oder generell ängstlich wirkt. Sobald solche Zeichen auftreten, ist eine sofortige, dauerhafte Trennung unumgänglich. Ein Notfallgehege muss deswegen immer fertig eingerichtet bereitstehen.
Wichtig: Werden zwei Hamster einmal getrennt, darf man sie nicht wieder zusammensetzen. Nach der Trennung verlieren die Tiere ihren gemeinsamen Gruppengeruch und erkennen einander nicht mehr als vertrautes Tier – die Aggressionen eskalieren beim nächsten Kontakt fast immer deutlich stärker als zuvor.
Ist die Kastration eines Zwerghamsters sinnvoll, um ihn zusammen mit einem anderen zu halten?
Die Kastration von Zwerghamstern wird in manchen Kontexten als Lösung für die Paarhaltung diskutiert – vor allem, um ein gemischtgeschlechtliches Paar ohne unkontrollierten Nachwuchs halten zu können. Tatsächlich gilt ein Campbell-Weibchen mit einem kastrierten Männchen derselben Art nach aktuellem Erfahrungsstand als die harmonischste und stabilste Konstellation. Beide Tiere bauen gemeinsam Nester und gehen gemeinsam auf Futtersuche.
Dennoch ist die Kastration von Zwerghamstern kein unproblematischer Eingriff. Der Schweizer Tierschutz weist darauf hin, dass die Kastration von Zwerghamstern nicht von jedem Tierarzt durchgeführt wird, vergleichsweise risikoreich ist und im Verhältnis zur Körpergröße des Tieres recht teuer ist. Das Narkoserisiko bei einem Tier, das gerade einmal 30 bis 60 Gramm wiegt, ist erheblich. Hinzu kommt, dass die Operation das Aggressionspotenzial nicht vollständig beseitigt – sie reduziert primär das Paarungsverhalten, beeinflusst aber das Revierverhalten nur bedingt.
Wer eine Kastration erwägt, sollte ausschließlich einen Tierarzt aufsuchen, der nachgewiesene Erfahrung mit Kleinsäugern hat. Der Eingriff unter Vollnarkose erfordert spezielle Kenntnisse und angepasstes Equipment. Anschließend braucht das Tier eine engmaschige Nachsorge und muss während der Heilungsphase vom Partner getrennt werden – was das Risiko mit sich bringt, dass die Tiere nach der Trennung den gemeinsamen Gruppengeruch verlieren und sich anschließend als fremd betrachten.
Unkastrierte gemischtgeschlechtliche Paare sind generell nicht empfehlenswert: Zwerghamster gehören zu den Säugetieren mit den kürzesten Tragzeiten überhaupt und können sich in sehr kurzen Abständen fortpflanzen. Unkontrollierter Nachwuchs belastet das Weibchen enorm und führt schnell zu einer nicht mehr bewältigbaren Zahl an Tieren. Wer also auf Nachwuchs verzichten möchte, muss entweder strikt gleichgeschlechtliche Tiere halten oder das Männchen kastrieren lassen – letzteres nach sorgfältiger tierärztlicher Beratung.
Fazit: Die Kastration kann eine Möglichkeit sein, zwei verträgliche Campbell-Zwerghamster zusammenzuhalten, ohne Nachwuchs befürchten zu müssen. Sie ist aber kein risikofreier Routineeingriff, und die Paarhaltung ist auch mit Kastrat nie ein Selbstläufer. Im Zweifelsfall ist die konsequente Einzelhaltung für das Tier die stressärmere und sicherere Wahl.
Was tun, wenn meine zwei Hamster plötzlich anfangen zu kämpfen?
Wenn zwei Hamster anfangen zu kämpfen, ist entschlosseneres und vor allem schnelles Handeln gefragt – denn Verletzungen können in Sekunden entstehen, die tödlich enden. Besonders Roborowski-Zwerghamster kämpfen oft lautlos und so schnell, dass ein Eingreifen kaum möglich ist. Bei anderen Arten kündigen sich Kämpfe manchmal durch Zischen, Aufplustieren oder Jagen an – das sind klare Warnsignale.
Im Ernstfall sofort trennen: Schiebe zunächst ein Brett oder eine Pappe zwischen die Tiere, um direkte Bisse zu unterbrechen. Greife niemals mit bloßen Händen in einen Hamsterkampf – auch zahme Tiere beißen in solchen Momenten reflexartig und mit erheblicher Kraft. Trage dicke Handschuhe oder nutze Röhren und Behälter, um die Tiere einzeln herauszufangen.
Sobald die Tiere getrennt sind, müssen beide sofort tierärztlich untersucht werden. Bisse hinterlassen oft tiefere Wunden als auf den ersten Blick sichtbar, und Infektionen durch Bakterien können sich schnell entwickeln. Besonders kleine Tiere wie Roborowskis überleben Verletzungen oft nicht lange unbehandelt. Auch wenn ein Tier äußerlich unverletzt wirkt, ist ein Kontrollbesuch beim Tierarzt ratsam.
Nach der Trennung ist eine dauerhafte Unterbringung in getrennten Gehegen Pflicht. Setzt die Tiere unter keinen Umständen wieder zusammen – nach einer Trennung verlieren sie ihren gemeinsamen Gruppengeruch und nehmen einander als völlig fremde Eindringlinge wahr. Ein zweiter Versuch führt fast immer zu noch heftigeren Aggressionen als der erste Kampf.
Die getrennten Gehege sollten idealerweise außer Sichtweite voneinander stehen. Hamster können sich gegenseitig hören und riechen, und selbst das Wahrnehmen eines Artgenossen in der Nähe kann bei territorial veranlagten Tieren anhaltenden Stress erzeugen, der die Gesundheit langfristig beeinträchtigt.
Wenn du nach einem Trennungserlebnis unsicher bist, wie es deinem Hamster gesundheitlich geht, scheue nicht davor zurück, einen auf Kleinsäuger spezialisierten Tierarzt aufzusuchen. Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Merkt mein Hamster, dass er allein ist – und leidet er darunter?
Diese Frage berührt etwas, das viele Hamsterhalter beschäftigt: Man sieht das putzige Tier allein in seinem Gehege sitzen und fragt sich unwillkürlich, ob es sich einsam fühlt. Das Mitgefühl ist verständlich – aber es projiziert menschliche oder hundetypische Bedürfnisse auf ein Tier, das von Natur aus anders gestrickt ist.
Hamster sind Einzelgänger, die in der freien Natur ausgedehnte Territorien allein besetzen und verteidigen. Ihr gesamtes Verhaltensrepertoire – Duftmarkieren, Nestbau, Futterhorte anlegen – ist auf ein solitäres Leben ausgerichtet. Ein Hamster vermisst keinen Artgenossen, weil er in seiner Biologie nicht auf dauerhaftes Zusammenleben mit Artgenossen ausgelegt ist. Ein fremder Hamster bedeutet für ihn in erster Linie Konkurrenz, nicht Gesellschaft.
Problematisch ist sogar das Gegenteil: Hamster, die mit einem Artgenossen zusammenleben, können durch den permanenten sozialen Druck chronischen Stress entwickeln. Selbst wenn keine offenen Kämpfe ausbrechen, kann der ständige Geruch und das Vorhandensein eines anderen Tieres im selben Revier das Stresshormonsystem dauerhaft aktivieren. Das schwächt das Immunsystem und kann die Lebenserwartung verkürzen.
Was ein Hamster wirklich braucht, um glücklich und ausgeglichen zu leben, ist kein Artgenosse, sondern eine stimulierende, sichere und abwechslungsreiche Umgebung: ein ausreichend großes Gehege mit mindestens 0,5 m² Grundfläche, tiefer Einstreu zum Buddeln, einem Laufrad mit passendem Durchmesser (mind. 25 cm für Zwerghamster, mind. 28 cm für Goldhamster), mehreren Verstecken, einem Sandbad und regelmäßig wechselnden Beschäftigungsmöglichkeiten wie Ästen, Grasnestern oder verstecktem Futter zum Suchen.
Dazu kommt der geduldige Aufbau einer Vertrauensbeziehung zum Halter: Tiere, die sich an ihren Menschen gewöhnt haben, reagieren auf die Stimme und die Hand deutlich entspannter und zeigen weniger Stresssymptome. Das ist wertvoller als ein Artgenosse, den der Hamster grundsätzlich als Bedrohung wahrnimmt.
Wie groß muss das Gehege sein, wenn ich zwei Zwerghamster zusammenhalten möchte?
Wenn du zwei Zwerghamster zusammenhältst, gelten deutlich höhere Anforderungen an das Gehege als bei Einzelhaltung. Zunächst zur Grundregel: Selbst für einen einzelnen Hamster empfehlen die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Mindestgrundgrundfläche von 5.000 cm² – also etwa 100 × 50 cm. Das ist das absolute Minimum, keine Wohlfühlgröße.
Für zwei Hamster ist diese Fläche viel zu klein. Jedes Tier braucht sein eigenes Revier, seinen eigenen Schlafbereich, seine eigene Futterecke und die Möglichkeit, dem anderen aus dem Weg zu gehen. Experten empfehlen für die Paarhaltung mindestens 1 m² Grundfläche, besser mehr. Vier Pfoten Austria spricht von mindestens 2 m² pro Tier. Wichtig: Etagen und Ebenen in der Höhe zählen zwar als Nutzfläche, aber nicht als Grundfläche – die zusammenhängende Bodenfläche muss die Anforderungen erfüllen.
Neben der Größe ist die Einrichtung des Geheges entscheidend. Für zwei Zwerghamster müssen zwingend vorhanden sein:
- Mindestens zwei separate Schlafhäuser: Jedes Tier muss sich allein zurückziehen können. Wenn beide Tiere dasselbe Haus teilen, kann das dominante Tier das andere ausschließen.
- Mindestens zwei Laufräder: Nur eines im Gehege bedeutet, dass ein Tier verdrängt werden kann – und das ausgerechnet bei der wichtigsten Aktivität der Nacht.
- Mehrere Futterplätze und Tränken: Konkurrenz um Nahrung ist eine der häufigsten Ursachen für Aggressionen.
- Tiefe Einstreu zum Buddeln: Mindestens 20 cm, damit jedes Tier eigene Gänge anlegen kann.
Beachte außerdem: Gitterkäfige sind für Zwerghamster grundsätzlich wenig geeignet, da der Stababstand oft zu groß ist (max. 0,8 cm für Zwerghamster) und keine ausreichende Einstreutiefe möglich ist. Ein Aquarium oder Terrarium mit Gitterabdeckung oder ein spezieller Nagebehälter mit Gitteraufsatz ist die bessere Wahl. Das Gehege eines zweiten Tieres muss immer vollständig eingerichtet und einsatzbereit stehen – denn wenn es zu einem ernsthaften Konflikt kommt, musst du sofort trennen können.
